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    Uraufführung im kleinen haus: „zeit: Arbeit“

    Ingolstadt - Unter dem Titel „Zeit: Arbeit“ präsentieren Jenke Nordalm und Kai Schubert ihr neues Projekt für das Theater Ingolstadt. Die Uraufführung findet am Samstag, 16. Januar, um 20.00 Uhr, im Kleinen Haus statt. Regie führt Jenke Nordalm, die Ausstattung stammt von Birgit Stoessel. Es spielen Manuela Brugger, Rolf Germeroth, Oliver Losehand, Sascha Römisch und Olivia Cilgia Stutz.

    „Angenommen, Arbeit wäre eine Ressource: Versiegt sie, oder ist noch genug da? Wer kann sie fördern, wer nutzen?“ fragt das Wirtschaftsmagazin brand 1 in dem editorial der Septemberausgabe 2009. Die Arbeitswelt hat sich gewandelt. Der Notwendigkeit von Flexibilität steht nach wie vor das menschliche Bedürfnis nach einer Sicherheit gegenüber, die scheinbar längst niemand mehr garantieren kann. In ihrem neuen Projekt „Zeit: Arbeit“ untersuchen Autor Kai Schubert und Regisseurin Jenke Nordalm den Rohstoff Arbeit, unseren ewigen Wettlauf gegen die Zeit und die ganz banale Frage, wie wir eigentlich leben wollen.

    Das Projekt
    Nach ihrer gemeinsamen Arbeit „Erlkönig“, die letzte Spielzeit am Theater Ingolstadt zu sehen war, betreiben Kai Schubert und Jenke Nordalm im Kleinen Haus bereits zum zweiten Mal theatrale Recherche nach elementaren Koordinaten des gesellschaftlichen Zusammenseins. Mit „Zeit: Arbeit“ konfrontieren sie unser Verhältnis zu Arbeit und Zeit mit ideologischer Realität und gesellschaftlicher Utopie. Nach intensiver Recherchephase ist dabei ein Stück entstanden, dessen Welt in einer Zeitarbeitsfirma spielt.

    Nicht die Zeitarbeiter selbst lässt Kai Schubert darin zu Wort kommen, sondern fünf Festangestellte dieser Firma, die zwischen Schmuddelimage und hochgelobtem Dasein als Wirtschaftsmotor ihre tägliche Arbeit verrichten – und sich permanent in moralischen Grenzgebieten aufhalten. Schuberts Perspektive von innen statt außen seziert die Auswirkungen brüchiger Arbeitsverhältnisse auf das Leben aller Beteiligten, ohne einfachen Schuldzuweisungen zu verfallen. Mit schwarzem Humor und Sinn für Groteske beschreibt er die Schwierigkeit, einem System zu entkommen, das man längst verinnerlicht hat – und stellt nicht zuletzt die unmoralische Frage, ob Grenzen dazu bestimmt sind, übertreten zu werden.

    Zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung
    Das Phänomen ‚Zeitarbeit’ dient Kai Schubert und Jenke Nordalm dabei als Katalysator unserer Gegenwart, der es zwischen politischen Bestrebungen, marktwirtschaftlichen Forderungen und individuellen Bedürfnissen an Zeit zu fehlen scheint, sich selbst grundsätzlich in Frage zu stellen.

    Die Zukunft spricht Klartext: Immer weniger Menschen finden sich in sogenannten „Normalarbeitsverhältnissen“ wieder. Die Prekarität hat sich zu einem Problem entwickelt, das längst nicht mehr nur Niederqualifizierte betrifft, sondern im Gegenteil verstärkt die fachqualifizierte und statusorientierte Mittelklasse. Zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung muss die Grenze zwischen Job und Privatleben täglich neu verhandelt werden.

    Was aber bedeutet Arbeit in unserer Zeit überhaupt? Ist Arbeit Anstrengung, mit der man sich Existenz - und womöglich sogar Freizeit - erkaufen kann? Muss sie Spaß, darf sie Sinn haben? Ist Arbeit nur etwas wert, wenn sie mit Geld aufgewogen wird? Ist uns Arbeit überhaupt etwas wert? Und wenn ja, was? -

    „Zeit:Arbeit“ setzt dort an, wo rechtliche und moralische Unsicherheit zum Alltag gehört - und trotzdem von den allermeisten Menschen widerspruchslos geschluckt wird. Die Frage nach dem Warum ist bereits Bestandteil des Problems.

    Karten gibt es an der Theaterkasse (Tel. 0841/30547200) sowie online unter http://www.theater.ingolstadt.de (ti)

    Eintgetragen am 20.12.2009 von BAYERNMATRIX

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